Quelle: Deutsche Lichttechnische Gesellschaft e.V. (LiTG)


Vom 14.05. bis 15.05.2019 durfte ich an der Zukunftskonferenz Licht 2019 in Hamburg teilnehmen. Zwei Tage, die mich in vielerlei Hinsicht bestärkt haben, aber auch nachdenklich werden ließen. Wie so häufig ist bei der Planung eines Bau-Projektes die  Tageslicht- und Kunstlichtplanung heute noch eine Randerscheinung. Ziel ist es mit dem  „HAMBURGER AUFRUFS“ die existenzielle Bedeutung von Tages- und Kunstlicht für Menschen, Tiere und Pflanzen in das Bewusstsein der breiten Bevölkerung zu bringen. Autor des nachfolgenden „HAMBURGER AUFRUFS zur ZUNKUNFT LICHT“ ist die Deutsche Lichttechnische Gesellschaft e.V. (LiTG)




Positionen für das Licht der Zukunft
Impulse der Großen Zukunftskonferenz Licht (ZK19)
der Deutschen Lichttechnischen Gesellschaft e.V. (LiTG)


Licht ist Lebensgrundlage der Biosphäre und damit für den Menschen –
Licht konstituiert in hohem Maß unsere Umwelt
Bei der Planung und Gestaltung unseres Lebensumfeldes ist es unabdingbar,
dass Licht in seiner zentralen ökologischen Bedeutung und seinem überragenden sozialen
und gesellschaftlichen Wert adäquat berücksichtigt wird. Da die TeilnehmerInnen der ZK19
die Beobachtung teilen, dass Licht im Zuge von Gestaltungsprozessen als einfache Zusatzfunktion oder Nebenprodukt missdeutet wird und oftmals zum Zufallsergebnis oder
Abfall verkommt, ergeht dieser Aufruf aus den Bereichen
Politik, Forschung, Wissenschaft, Medizin, Theologie, Psychologie, Anlagen- und Flugzeugbau, Lichtplanung, IT, Technik, Landwirtschaft, Autobau, Meteorologie, Gebäudetechnik, Architektur, Zukunftsforschung, Medien, Leuchtenbau, Studium, Lichtlehre, Lichtforschung, Messtechnik,
Logistik, Infrastrukturplanung, Landschaftsarchitektur, Lichtindustrie, Bildungsträger,
Gebäudeplanung, Medien, Investment, Industrie und Lichtanwendung.
(Auszug aus den Berufs- und Arbeitsfeldern der Teilnehmer der ZK19 am 15.+16.05.2019)


Der Aufruf ist als Statement für gemeinsames Handeln an ALLE gerichtet,
die am Licht der Zukunft teilhaben haben wollen.


Lichtwissen, Lichtbewusstsein und Lichtbewertung
Licht ist als vielschichtiges Phänomen nur inter- und transdisziplinär erfassbar.
Ein zuträglicher Umgang mit Licht kann deshalb nur auf einer entsprechend breiten und übergreifend erarbeiteten wissenschaftlichen Basis erfolgen.
Bisherige Ansätze von Interdisziplinarität genügen nicht. Alle Betroffenen
müssen proaktiv aufeinander zugehen, miteinander reden, sich verstehen
wollen, um gemeinsam auf die anstehenden Fragen nach gutem Licht für die
Zukunft adäquate Antworten finden zu können.


Die TeilnehmerInnen der ZK19 erklären ALLE ihr hohes Interesse und ihre
vorbehaltlose Bereitschaft zur inter- und transdisziplinären Zusammenarbeit.


Gefordert wird dazu eine entsprechend der Bedeutung des Forschungsgegenstandes
Licht gestaltete und dotierte Förderlandschaft mit öffentlichem, aber auch verstärktem privatwirtschaftlichem Engagement. Licht und Beleuchtung müssen aus traditionell
geprägten Eigenbewertungen gelöst werden, um in übergeordneten Zusammenhängen beispielsweise im Kontext der solaren Strahlung, physiologischer Wirkungen, sozialer und soziologischer Effekte in den realen Planungskonsens eingeordnet werden zu können.



HAMBURGER AUFRUF zur ZUKUNFT LICHT

Positionen für das Licht der Zukunft
Impulse der Großen Zukunftskonferenz Licht (ZK19)
der Deutschen Lichttechnischen Gesellschaft e.V. (LiTG)


Dazu gehören aber auch realwirtschaftliche Möglichkeiten, gesellschaftliche Strömungen,
technologische Herausforderungen und der rechtliche Rahmen, um nur einige zu nennen.
Um dem universellen Charakter des Lichts gerecht zu werden, bedarf es daher einer
Weiterentwicklung der Bewertung, Beschreibung und Quantifizierung des Phänomens
Licht in all seinen Facetten.


Die TeilnehmerInnen der ZK19 sehen den Gesetzgeber gefordert, umfassende
Forschungen und breite Feldstudien auf den Weg zu bringen, um wissenschaftlich
fundierte Erkenntnisse zu Lichtwirkungen zu erlangen, Regularien zu deren Umsetzung
vorzuschreiben, um letztlich einen Missbrauch von Licht zu verhindern.


Experten für Licht sind unverzichtbar und müssen ausgebildet werden. Darüber hinaus
bedarf es auch Generalisten, welche die Komplexität des Lichts und dessen Wirkungen
zusammenfassen, übergreifend abschätzen und bewerten sowie in der Praxis umsetzen
können. Um hohe Lichtqualität sicherzustellen, muss über die Quantifizierungen wie
bspw. zu wenig oder zu viel Licht oder spektral unausgewogen zusammengesetztes Licht
hinausgegangen werden. Für eine allgemeine Sensibilisierung für das Licht muss ein
breites Bewusstsein über die vielfältigen Wirkungen von Licht geschaffen werden. Nicht-
Wissen, aber auch undifferenzierte Anwendungen verleiten zum Missbrauch von Licht.


Die TeilnehmerInnen der ZK19 sehen es als wichtiges Kernziel an, dass Lichtwissen
stärker verbreitet sowie allgemein verständlich vermittelt wird. Das betrifft die Schulund
Allgemeinbildung ebenso, wie die berufliche und akademische Aus- und
Weiterbildung, darüber hinaus aber auch die Verbraucherinformation, denn ALLE
konsumieren Licht und leben durch das Licht und mit dem Licht.
Licht, Schatten und Dunkelheit
Licht ist in erster Linie Voraussetzung für das Leben auf der Erde und darf erst nach
derart gesichertem und optimiertem Einsatz – also in nachgeordneter Wertigkeit –
der Information oder dem Genuss dienen. Ein ausschließlich an der Erreichung von
hohen Beleuchtungsstärken bzw. Leuchtdichten orientierter Umgang mit Licht
gefährdet die Umwelt, – Tiere, Pflanzen und Ökosysteme, die Gesundheit des
Menschen und verbaut damit die Zukunft.


Die TeilnehmerInnen der ZK19 weisen darauf hin, dass Lichtintensitäten, speziell dem
wechselseitigen Hochlizitieren künstlicher Helligkeiten nutzungs- und umgebungsbezogene
Grenzen zu setzen sind.



HAMBURGER AUFRUF zur ZUKUNFT LICHT
Positionen für das Licht der Zukunft
Impulse der Großen Zukunftskonferenz Licht (ZK19)
der Deutschen Lichttechnischen Gesellschaft e.V. (LiTG)


Vielmehr gilt es sensibel mit Intensitätsnuancen und Schatten umzugehen und
vordringlich nächtliche Dunkelheit zu gewährleisten. Gutes Licht hat immer Respekt
vor der Umwelt.

Licht, Digitalisierung und kulturelle Aspekte
Megatrends wie Digitalisierung, Individualisierung, Utilization, Connectivity und
Globalisierung betreffen und kennzeichnen die Zukunft des Lichts. Zudem zeigen sich
auch kulturelle Aspekte wie Design und Wellbeing als zukünftig besonders lichtrelevant.
Die Nutzung standardisierter, aber auch individueller Daten im Zusammenhang mit dem
Betreiben von Beleuchtungsanlagen gewinnt an Bedeutung.
Neue Anbieter fördern neue datenbasierte Funktionen. In diesem Kontext kann und
muss der Umgang mit Kunstlicht und Tageslicht exemplarisch für die Erarbeitung eines
digitalen Konsens sein. Es gilt die Privatsphäre zu schützen, Manipulation und
allgemeinen Missbrauch zu verhindern und dennoch Nutzen aus den Daten im Sinne
einer Bereitstellung förderlicher Lichtsituationen zu generieren.


Die TeilnehmerInnen der ZK19 fordern zu einem bewussten Umgang mit Daten auf,
besonders und gerade dann, wenn diese im Zusammenhang mit Lichtund
Beleuchtungsanlagen erhoben und verwendet werden. Der Schutz sensibler
Daten ist zu gewährleisten.


Natürliches, standardisiertes und individualisiertes Licht –
Planung, Normen und Ausführung

Licht – speziell das natürliche Licht – muss auf Grund seiner evolutionären Bedeutung
federführend für die Konstituierung eines umweltgerechten und lebenswerten
Umfeldes werden. Orientiert daran und ergänzend dazu gilt es, auch das Kunstlicht
mit einer eigenen Identität weiter zu entwickeln. Bewertungen und Planungen zum
Licht dürfen sich nicht nur auf Menschen konzentrieren, sondern müssen auch die
Umwelt respektvoll berücksichtigen. Nachhaltig können Lichtplanungen und deren
Ausführungen nur im Kontext und Konsens mit anderen Planungen bspw. für
Gebäude und Außenanlagen sein. Licht muss frühzeitig in der Aufgabenstellung von
Planungs- und Entscheidungsprozessen angesetzt werden. Für eine sachgerechte
Bewertung und Anwendung ist die Berücksichtigung des Zusammenspiels von
Tages- und Kunstlicht zwingend erforderlich. Licht wird auch künftig stark von
individuellen Ansprüchen geprägt sein. Dem stehen Standards und Richtlinien zu
Licht und Beleuchtung nicht unbedingt entgegen.



HAMBURGER AUFRUF zur ZUKUNFT LICHT
Positionen für das Licht der Zukunft
Impulse der Großen Zukunftskonferenz Licht (ZK19)
der Deutschen Lichttechnischen Gesellschaft e.V. (LiTG)


Um das Zusammenwirken aller am guten Licht Beteiligten in der Praxis zu ermöglichen,
sollten Normative und Schnittstellen definiert werden, wie diese beispielweise in den
Leistungsbildern Lichtplanung der LiTG abgebildet werden.


Die TeilnehmerInnen der ZK19 stellen fest, dass zu Tages- und Kunstlicht Standards
und Individualität keine Antagonisten sein müssen und in der Praxis von Planung
und Ausführung zusammengehen sollten. Licht bedarf als sozialer Wert und zum
Schutz der Umwelt entsprechender Regulative wie etwa justiziabler Schwellenwerte
sowie Prüf- bzw. Wartungsvorschriften bspw. in Bauordnungen und
Planungsrichtlinien. Auch hier ist der Gesetzgeber gefordert.


Ausblick
Der Hamburger Aufruf zur Zukunft Licht richtet sich an alle, die von Licht betroffen sindalso an alle Entscheider und Gestalter, ab sofort proaktiv für gutes Licht zu wirken
und ganz speziell an die Jugend mit dem Appell, die Zukunft des Lichts in die eigenen
Hände zu nehmen. Die Deutsche Lichttechnische Gesellschaft e.V. (LiTG) will die
vielfältigen Impulse der ZK19 fortsetzen und bietet ALLEN aus allen Bereichen, die
sich mit der Zukunft des Lichts beschäftigen wollen an, unter dem neutralen Label und mit
den Expertisen der LiTG eigene Expertenforen und Zukunftsworkshops zu organisieren.


Die TeilnehmerInnen der ZK19 laden alle am Licht Interessierten und ALLE, die an
der Gestaltung von gutem Licht für die Zukunft teilhaben wollen, zur proaktiven
Teilnahme ein – diejenigen mit viel Erfahrungen aus den traditionellen Kernbereichen
des Lichts, die aus den vermeintlichen Randgebieten des Lichts
und vor allem auch die Jugend.


Mit hohem kollegialem Respekt und besonders herzlichem Dank an alle, die zur
Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der ZK19 beigetragen haben,
unterzeichnen – stellvertretend – die Mitinitiatoren der ZK19


Ulf Greiner Mai Prof.Tran Quoc Khanh
Sprecher des Beirates / VS-MG der LiTG e.V. TU Darmstadt,
ö. b. u. v. Sachverständiger für Lichttechnik Fachbereich Lichttechnik